Wer schlecht hört, hat ein erhöhtes Risiko für Demenz

05.12.2019

Hörakustik

Wer schlecht hört, hat ein erhöhtes Risiko für Demenz

Fehlende akustische Reize können die Entstehung von Demenz begünstigen oder ihren Verlauf beschleunigen. Ein Hörgerät kann vorbeugen. Wer im fortgeschrittenen mittleren Alter schwer hört, hat später ein höheres Risiko für Demenz. Hierfür gibt es handfeste neue Belege, sagt Robert Perneczky vom Klinikum der LMU in München. "Wir wissen mittlerweile, dass der Einsatz von Hörhilfen eine günstige, wirksame Methode ist, um die geistigen Fähigkeiten zu verbessern und eventuell auch das Demenzrisiko zu senken", so der Psychiater.

Eine neue Studie aus Taiwan mit Gesundheitsdaten von rund 16.000 Menschen zeigt, dass insbesondere hörbeeinträchtigte Menschen, die zwischen 45 und 64 Jahren alt sind, ein höheres Demenzrisiko haben als Gleichaltrige ohne Hörschwierigkeiten. "In der Liste der neuen Risikofaktoren ist Schwerhörigkeit im mittleren Lebensalter der wichtigste Faktor", sagt Perneczky. Diese unerwartete Erkenntnis eröffne neue Möglichkeiten, effektiv gegen die Erkrankung vorzugehen.

Fehlende akustische Reize

Grundsätzlich ist der Zusammenhang zwischen Demenz und Schwerhörigkeit aber schon länger bekannt. "Fehlende akustische Reize können die Entstehung einer Demenz begünstigen oder den Verlauf beschleunigen", heißt es auch von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Eingeschränktes Hören und Demenz könnten auf unterschiedliche Weise zusammenhängen. "Symptome einer Demenz und Folgen einer Hörbehinderung können sich ähneln. Dies kann zu Fehldiagnosen führen", heißt es weiter. "Vielleicht sollte man früher zum Hörgerät greifen", sagt Perneczky. Doch einerseits bleibe Schwerhörigkeit oft unerkannt. Andererseits würden viele Menschen, die bereits ein Hörgerät haben, es nicht benutzen. Denn "Hörgerät heißt, dass man alt ist", so Perneczky.

Weniger Impulse fürs Gehirn

Warum genau eine unbehandelte Schwerhörigkeit später das Risiko von Demenz und kognitivem Verfall erhöht, ist bisher nicht ganz klar. Zum einen ziehen sich Menschen, die schlecht hören, oft aus ihrem Sozialleben zurück – und haben so weniger Impulse für das Gehirn. Sie entwickeln auch leichter eine Depression, die für sich wiederum ein Risikofaktor ist.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass ein Mangel an auditiven Reizen die Hirnaktivität senkt, und das Gehirn nicht trainiert wird. Eine andere These geht umgekehrt davon aus, dass das ständige Analysieren von schlecht gehörten Geräuschen über die Jahre hinweg für das Gehirn einen enormen Kraftakt bedeutet und die Überforderung anfälliger macht für Demenz.

Menschen, die von Geburt an taub sind oder ihr Gehör in jungen Jahren verloren haben, seien laut Perneczky hingegen kaum von einem generell erhöhten Demenzrisiko betroffen

(APA, 18.11.2019) Erscheinen www.standard.at

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